Geschichten über Geschichten

Als ich am Samstagmorgen das Haus verließ, strömte mir ein Zug eiskalter Luft entgegen, legte sich auf mein Gesicht und ließ mich kurz erschauern. Im Auto angekommen verwandelte sich immer noch jeder Atemzug in eine sichtbare kleine Nebelwolke. Ich drehte die Heizung auf und machte mich beim ersten „Last Christmas“ des Jahres auf den Weg. Plötzlich traten meine Beine reflexartig und mit voller Wucht auf die Bremse, mein Herz begann schnell und laut zu pochen. Stotternd kam mein Auto zum Stehen. Der Fahrer vor mir hatte aus dem Nichts angehalten. Mit zitternden Knien fuhr ich weiter, parkte mein Auto und ging rüber zum Seminarraum.

Storytelling hat sich in den letzten Jahren zu einem der wohl beliebtesten Begriffe der Kommunikationsbranche entwickelt. Wie ich meinen Samstagmorgen, verpacken Kommunikatoren ihre Botschaften und Ideen in Geschichten. Warum? Gute Geschichten aktivieren, sie transportieren Emotionen, inspirieren uns und brennen sich in unser Gedächtnis ein. Genau damit beschäftigte sich der Workshop der Dräger Best Students  Anfang Dezember. Unser Trainer, der Storytelling-Experte und Mitarbeiter von Dräger, Christoph brachte uns auf abwechslungsreiche Weise die Macht der Geschichten näher. Unter den sieben Teilnehmern waren die verschiedensten Berufsfelder vertreten – von Maschinenbau über Elektrotechnik bis hin zu Tourismus. Ich, Caroline, studiere Public Relations und arbeite in der Unternehmenskommunikation von Dräger.

Das Prinzip des Workshops lautete Erzählen statt Zuhören. Wir erzählten die gleiche Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, brachten Polaritäten wie Leben und Tod oder Suchen und Finden ein und entwickelten unsere ganz persönliche Heldengeschichte. Zunächst kostete es uns alle etwas Überwindung, uns selbst in einer Geschichte aus unserem Leben als Helden darzustellen. Als die Ersten ihre Geschichte erzählten, begriffen wir allerdings schnell, dass es eher um die Meisterung von Konflikten und unser persönliches Learning als um echte Heldentaten ging. Christoph lockerte die Stimmung immer wieder durch kurze Elemente des Improvisationstheaters auf. Neben unseren eigenen Geschichten lernten wir auch, wie Storytelling mit Daten funktioniert. Mithilfe dieser Technik lässt sich zum Beispiel ein theorie- und zahlenlastiger Vortrag gleich viel spannender und anschaulicher gestalten.

Jeder erzählte im Laufe des Workshops mindestens eine Geschichte. Die besten Storys des Tages kürten wir mit einem kleinen Preis. Am Ende besaßen wir alle trotz unserer ganz unterschiedlichen beruflichen Tätigkeitsfelder eine Vorstellung, wo und vor allem wie wir Storytelling gezielt einsetzen können. Ob in der nächsten Präsentation in der Hochschule oder bei einem Vorstellungsgespräch, wir sind vorbereitet und haben ganz sicher eine Geschichte zu erzählen.

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